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Tanz

Dual Till the Death & A Body of Rumours

Liam Francis Dance Company (Brighton)

Deutschlandpremiere | Ohne gesprochene Sprache | Keine Altersbeschränkung

Liam Francis ist Aushängeschild einer aufstrebenden Generation, in der sich die britische Tanzlandschaft neu erfindet. Die Interpreten seiner Compagnie lernte er einst bei Rambert kennen, einer der traditionsreichsten zeitgenössischen Tanzcompagnien Großbritanniens. In A BODY OF RUMOURS fragt er, was passiert, wenn Tänzer aus Familien mit karibisch-afrikanischen Wurzeln in einem Ensemble aufeinandertreffen und aufgrund ihrer Hautfarbe sowie Vorurteilen und Zuschreibungen bzw. Gerüchten (rumours) in bestimmte Rollenbilder gezwängt werden.

Das Publikum heftet ihnen das Etikett Hip-Hop an – dabei reicht ihre Ausbildung von Ballett und Tanztheater bis zu den unterschiedlichsten aktuellen Tanzformen. In A BODY OF RUMOURS entwickeln sie eine ansteckende, dynamische und universelle Tanzsprache, die aus allen Stilen schöpft und die übliche Wahrnehmung ihrer Körper und Persönlichkeiten untergräbt. Gemeinsam durchleben sie Höhen und Tiefen, Solidarität und Verbrüderung, während Chloé Mason die Geräusche der tanzenden Körper einfängt und zu einer facettenreichen Klanglandschaft verdichtet.

Das zweite Stück, DUAL TILL THE DEATH, nimmt sich unserer inneren Dualität und Widersprüche an. Denn wir sind, unser Leben lang, gleichzeitig ernst und verspielt, aggressiv und zärtlich, gereift, aber immer noch jugendlich. Und wer könnte diese Konflikte besser aufgreifen und zu psychologisch packendem Tanztheater verarbeiten als der zur jungen Garde gehörende, aber bereits erfahrene Liam Francis mit seinem so scharfen wie liebevollen Blick auf das Leben?

Biografie Liam Francis

Liam Francis ist ein preisgekrönter Tänzer und Choreograf, der durch seine Tätigkeit bei der Rambert Dance Company und LostDog internationale Anerkennung erlangte. Seine choreografischen Arbeiten wurden in zahlreichen Städten gezeigt, darunter Hannover, Rotterdam, Rom, Paris, London und New York.

Ausgehend von seinem Hintergrund im zeitgenössischen Tanz, Ballett und Hip-Hop erforscht Liam Francis in seiner künstlerischen Praxis sein vielseitiges körperliches Wissen und übersetzt menschliche Emotionen sowie Themen rund um Gemeinschaft, Identität und die Zwischenräume dazwischen in Bewegung.

LIAM FRANCIS IM GESPRÄCH

LIAM FRANCIS IM GESPRÄCH

Liam Francis kam vergleichsweise spät zum Tanz. Mit 14 Jahren begann er in Brighton mit Hip-Hop-Kursen, wenig später stieß er auf ZooNation und stand mit INTO THE HOODS auf der Bühne. Erst danach entdeckte er den zeitgenössischen Tanz. Mit 18 nahm er seine erste Ballettstunde und begann, sich intensiv mit unterschiedlichen Techniken auseinanderzusetzen – darunter Limón, Cunningham und Graham. Entscheidend war für ihn, diese Formen nicht nur äußerlich zu übernehmen, sondern ihre Grundlagen wirklich von Anfang an zu lernen. Wie er im Gespräch mit Bachtrack sagt, habe er sich „in den Kern der Stile verliebt, nicht in ihre oberflächliche Ästhetik“.

Es folgten sieben Jahre bei Rambert, wo Francis in Hauptrollen tanzte und mit international renommierten Choreografarbeitete. Rückblickend beschreibt er diese Zeit als eine Phase intensiven Lernens und Sammelns. Jede Zusammenarbeit hinterlasse etwas im eigenen Körper. Ein Freund habe dies einmal mit Tattoos verglichen: „Every time you work with a choreographer, you get a tattoo.“ Für Francis war irgendwann der Moment gekommen, aus diesen angesammelten Erfahrungen eine eigene künstlerische Stimme zu entwickeln.

2021 entschied er sich deshalb bewusst, den Schwerpunkt auf seine eigene choreografische Arbeit zu legen. Zunächst wollte er sich allerdings ausdrücklich nicht als Leiter einer eigenen Company verstehen. Erst seine Mentorin machte ihm deutlich, dass er längst mit einem festen Kreis von Tänzer arbeitete, Produktionen international tourten und eine eigene künstlerische Struktur entstanden war. Aus dieser Entwicklung ging schließlich die Liam Francis Dance Company hervor.

Was Francis aus der Arbeit in großen Ensembles besonders vermisst, ist das tägliche gemeinsame Training und die besondere Form von Gemeinschaft, die dabei entsteht: Menschen arbeiten über Stunden mit ihren Körpern an einer gemeinsamen Aufgabe, probieren aus, scheitern und entwickeln sich zusammen weiter. Genau dieses Gefühl versucht er auch in seiner eigenen Company herzustellen. Dabei geht es ihm nicht nur um seine eigene choreografische Idee, sondern ebenso um die Sichtbarkeit von Geschichten und um den Aufbau einer Gemeinschaft.

Seine künstlerische Sprache versteht Francis ausdrücklich nicht als abgeschlossen. Er möchte sich nicht darauf festlegen, wie ein „typisches“ Stück von Liam Francis auszusehen hat. Vielmehr interessiert ihn die Möglichkeit, unterschiedliche Erfahrungen und Einflüsse immer wieder neu zu filtern und miteinander zu verbinden. Sein Hintergrund in Hip-Hop, Ballett und zeitgenössischem Tanz bildet dabei kein festes Stilrezept, sondern ein körperliches Archiv, aus dem immer neue Formen entstehen können.

Quelle: Deborah Weiss, „Breaking free: Liam Francis makes a new company“, Bachtrack, 15. Juni 2026.

https://bachtrack.com/de_DE/interview-liam-francis-liam-francis-dance-company-lyre-liar-london-june-2026?utm_source=chatgpt.com

Credits

DUAL TILL THE DEATH Choreografie Liam Francis Tanz Liam Francis, Nathan Goodman Lichtdesign Zoé Ritchie Komposition Wouter Gulikers A BODY OF RUMOURS Choreografie Liam Francis Tanz Liam Francis, Nathan Goodman, Rakeem Hardy Musikkomposition + Performance Chloe Mason Lichtdesign Joshie Harriette Mitarbeit Lichtdesign Zoé Ritchie Technikleitung Zoé Ritchie Produktionsleitung Steph Bergé  Gastspielförderung FABRIC Kreation A BODY OF RUMOURS Théâtre des Abbesses Paris, 4. September 2025 / DUAL TILL THE DEATH Theater Rotterdam, 23. Juni 2022 

DUAL TILL THE DEATH Produktion Liam Francis Dance Company Koproduktion The Place, South East Dance Förderung Abderrahim Crickmay charity und Rinova A BODY OF RUMOURS Produktion Liam Francis Dance Company Koproduktion Théâtre de la Ville Paris mit Unterstützung von Caisse des Dépôts, Cndc Angers und The Lowry Förderung Arts Council England, FABRIC, Studio Wayne McGregor Resident 6, Serendipity Institute for Black Arts and Heritage, South East Dance, Brighton Dome, London Studio Centre, Rinova, The Abderrahim Crickmay Charitable Settlement

https://liamfrancis.co.uk

A Body of Rumours (Photos: N. Houguenade, D. Fitzpatrick)

Dual Till the Death (Photos: Mark David, Ton van Til)

Hauptförderer

Die euro-scene Leipzig wird institutionell gefördert von der Stadt Leipzig, Kulturamt und durch das Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus. Mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.