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Festivalleiter Christian Watty stellt das Programm 2026 vor!

24. September 2026

Festivalleiter Christian Watty stellt das Programm der euro-scene Leipzig 2026 vor.

Foto: Frank Behnke

Liebes Publikum,

was ist Heimat für Sie? Ein Ort? Eine Sprache? Eine Landschaft? Der Geruch der Kindheit? Eine vertraute Melodie? Oder die Menschen, bei denen wir uns zuhause fühlen?

Kaum ein Begriff scheint so selbstverständlich und entzieht sich doch jeder eindeutigen Definition. Für die einen ist er ein Ort, für andere eine Erinnerung, ein Gefühl oder etwas, das nie endgültig feststeht.

Die eingeladenen Gastspiele eröffnen unterschiedliche Perspektiven auf die Frage, was Heimat heute bedeuten kann.

Mit einem Fokus auf Québec richtet die euro-scene Leipzig 2026 den Blick auf eine der faszinierendsten Tanzszenen weltweit, von der seit Langem entscheidende Impulse ausgehen. Zugleich ist dort ein außergewöhnliches künstlerisches Ökosystem gewachsen, in dem Ideen und Arbeitsweisen weitergegeben werden und Kunst den Freiraum findet, sich immer wieder neu zu erfinden.

Marie Chouinard zählt zu den großen Erneuerinnen des zeitgenössischen Tanzes. Mit ihren beiden Meisterwerken MAGNIFICAT und HENRI MICHAUX: MOUVEMENTS ist sie jetzt erstmals bei der euro-scene Leipzig zu erleben. Kaum eine andere Choreografin verbindet seit mehr als vier Jahrzehnten radikale Neugier mit einer ebenso unverwechselbaren wie poetischen Bildsprache.

Neben ihr stehen im diesjährigen Festivalprogramm Manuel Roque, Alexandra ‚Spicey’ Landé, Crazy Smooth und Athena Lucie Assamba für eine jüngere Generation herausragender Künstlerpersönlichkeiten, die die Québecer Tanzszene nachhaltig prägen.

Was bleibt von Heimat nach Flucht und Vertreibung? Rückkehr bedeutet nicht zwangsläufig auch Heimkehr. THE CHILD der iranischen Regisseurin Afsaneh Mahian, ÜBUNGEN FÜR EINE MÖGLICHE RÜCKKEHR der syrischen Exiltheatergruppe Collective Ma’louba und CAMPOBELLO der Schweizer Regisseurin Eva-Maria Bertschy erzählen von Menschen, die Schutz suchen, über Rückkehr nachdenken oder versuchen, sich in der Ferne ein neues Leben aufzubauen. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht geopolitische Konflikte oder politische Debatten, sondern Menschen, die deren Folgen unmittelbar zu spüren bekommen.

Beziehungen und Gemeinschaft können Halt geben und Zugehörigkeit vermitteln. SWEET RODEO und 2PAR2 machen Nähe und Distanz, Vertrauen und Konflikte sichtbar. Räume der Begegnung öffnen die beiden Stücke IN MY BODY und NKUL NNAM auf je eigene Weise: durch eine Tanzkultur, die Generationen verbindet, und das Dorf als Sinnbild eines Wir-Gefühls, in dem Tradition und Gegenwart zusammenfinden. Zwischen Korea und Europa sucht der soeben mit dem International Ibsen Award 2026 ausgezeichnete Jaha Koo in HARIBO KIMCHI seinen Platz zwischen zwei Kulturen, während der britische Shootingstar Liam Francis in DUAL TILL THE DEATH und A BODY OF RUMOURS fragt, wie Fremd- und Selbstbild Identität formen.

Hip-Hop, Breaking, Afro-House oder Waacking sind für viele weit mehr als Tanz: In den Street- und Clubkulturen, aus denen sie hervorgegangen sind, entstehen Communities, die oft zu einer zweiten Familie werden. Zugleich haben sie den zeitgenössischen Tanz in den vergangenen Jahren revolutioniert. Was auf Straßen, Plätzen und in Clubs seinen Anfang nahm, hat längst die Theaterbühnen erobert. Diese Entwicklung spiegelt sich in unserem Programm so deutlich wie nie zuvor: in sechs Produktionen, drei davon auf der Großen Bühne des Schauspiels Leipzig.

Und was wäre, wenn Vertrautes plötzlich nicht mehr das ist, was es scheint? HAPPY LOOKING FOR FREEDOM von Lydia Ziemke beginnt als nostalgisches Wiedersehen mit einem Fernsehhelden der 1980er-Jahre und mündet in eine komische und zugleich scharfe Bestandsaufnahme unserer Zeit. Für das beeindruckende Ensemble von tanzmainz hat Moritz Ostruschnjak TRAILER PARK choreografiert. Darin hält er uns eine Welt vor Augen, in der digitale Bilder und soziale Medien unseren Alltag zunehmend bestimmen. Und schließlich verwandelt die Compagnie Beau Geste am Samstagnachmittag mit TRANSPORTS EXCEPTIONNELS den Leipziger Marktplatz in einen Ort der Poesie – und einen Bagger in einen Tanzpartner.

Vielleicht ist Heimat kein Ort, den wir finden. Sondern etwas, das wir gemeinsam gestalten.

Wir freuen uns darauf, diese sechs Festivaltage mit Ihnen und Künstler:innen aus aller Welt zu erleben.

Herzlich willkommen zur euro-scene Leipzig 2026. Vorhang auf!

Christian Watty +
das Team der euro-scene Leipzig